Kinderrechte schränken Eltern gar nicht ein

Büro beim Kinderschutzbund


Artikel aus: "Die Glocke" vom 12.07.2025

Klären Kinder über ihre Rechte auf
Andrea Schatke und ihre Kollegin Pauline Kaupmann möchten auch nicht die Autorität der Eltern einschränken, wenn sie Kindern erklären, was genau ihre Rechte sind. Vielmehr soll die Kommunikation zwischen Eltern und ihren Kindern gefördert oder gar erst hergestellt werden. "Man kann nur handeln, wenn man weiß, dass man Rechte hat." Und deshalb fängt die Arbeit des Kinderrechtebüros schon in den Kindergärten an.

Im Kinderzimmer zwei Jungs, die ein Computerspiel spielen, an der Kinderzimmertür deutlich das Schild "Nicht stören". Mutter kommt trotzdem hinein - darf sie das? Oder verstößt das gegen Kinderrechte?

"Natürlich darf sie das", sagt Andrea Schatke vom Kinderrechtebüro im Kreis Warendorf mit einem Schmunzeln. Denn bei der Mutter des Jungen steht der Schutzauftrag im Vordergrund. Andrea Schatke und ihre Kollegin Pauline Kaupmann möchten auch nicht die Autorität von Eltern einschränken, wenn sie Kindern erklären, was enau ihre Rechte sind. Vielmehr soll Kommunikation zwischen Eltern und Kindern gefördert oder gar erst hergestellt werden. Schatke: "Man kann nur handeln, wenn man weiß, dass man Rechte hat."

Und deshalb fängt die Arbeit des Kinderrechtebüros schon in den Kindergärten an. Da kommt der Kita-Kinderrechtkoffer voller Bücher und Geschichten zum Einsatz, da wird das Nein-Sagen erklärt - nicht, wenn man mit dem Sandkastenspiel nicht aufhören möchte, sondern beispielsweise, "wenn Dich jemand küssen möchte" und du das gar nicht willst", wie Andrea Schatke beispielhaft erklärt.

Das Kinderrechtebüro in Freckenhorst besteht jetzt knapp drei Jahre, ist organisatorisch beim Kinderschutzbund im Kreis Warendorf angesiedelt und wird gefördert durch die Aktion Mensch. Zu finden ist das Büro in den ehemaligen Räumen der Sparkasse Freckenhorst. Dort gibt es auch Platz, um Kindergruppen in Empfang zu nehmen. Das Büro ist für den gesamten Kreis zuständig, ist aber angesichts der personellen Ausstattung (zwei halbe Stellen plus einer zu erwartenden Honorarkraft) vom Radius her etwas eingeschränkt. So ist Warendorf mit seinen Ortsteilen ein Schwerpunkt, aber auch bei der Gestaltung des Platzes der Kinderrechte in Ahlen waren die Ideen aus Freckenhorst gefragt. Ab Herbst soll der Kinderrechtebulli zum Einsatz kommen, was das Büro auch physisch mobiler macht.

Derzeit sind die Pädagoginnen an sechs Grund- und zwei Förderschulen unterwegs. Jeweils vier Stunden lang klären Andrea Schatke und Pauline Kaupmann in den dritten Schuljahren darüber auf, dass Kinder das Recht auf Schutz von Gewalt haben: "Keiner darf dich schlagen oder quälen." Dass es ein Recht gibt, sich Hilfe zu holen. "Es ist ein Zurück zu unseren Grundwerten von Kinderschutz", erläutert Sylvia Klett vom unterstützenden Kinderschutzbund.


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